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| Wolfsmond - Teil 1 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der erste Teil dieser Geschichte, in der die Ereignisse erzählt werden, die zu Willows Tod führten ist: Der Kuß des Wolfes. Wolfsmond war die Geschichte, die mir zuallererst einfiel, als ich über die Challange nachdachte. Doch leider mußte ich irgendwann feststellen, daß ich mit dieser Geschichte nicht wirklich den Anforderungen der Challange gerecht wurde. Somit ist Wolfsmond der eigentliche zweite Teil von Der Kuß des Wolfes, und zwar so, wie ich die Geschichte ohne die Anforderungen der Challange geschrieben hätte, einfach nur basierend auf der Idee der SadSurvivors. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Zwei Monate waren seit Willows Tod vergangen. Zwei Monate, in denen sich Sunnydale grundlegend verändert hatte. Mit der Versiegelung des Höllenschlunds war Frieden in Sunnydale eingekehrt. Die Rate der ungeklärten Todesfälle war auf fast null gesunken und mehr noch: Die einstige Hochburg des Bösen verwandelte sich immer mehr in eine der typischen verschlafenen Kleinstädte des Westens. Selbst auf den Friedhöfen und in den Leichenhallen war Friede eingezogen. - Zum ersten Mal seit Bestehen des Städchens kehrte so etwas wie Normalität ein. Die meisten Dämonen waren weggezogen. Es gab in Sunnydale nichts mehr, was sie hielt. Die bekannten Dämonentreffs und Bars hatten seit Wochen schon dichtgemacht. Nur Spike hauste immer noch in seiner Wohngruft am Hauptfriedhof. Doch auch er fragte sich inzwischen, ob nicht auch für ihn die Zeit gekommen sei, wegzugehen. Buffy interessierte sich nicht für ihn, und nun da sie nicht länger seine Hilfe benötigte, war er mehr als nur überflüssig geworden - nur eine lästige Erinnerung, die sie lieber verdrängte. Und so herrschte in Sunnydale eine nicht zu greifende Atmosphäre der Aufbruchstimmung. Allerorts wurden Pläne geschmiedet. Zukunftsperspektiven, die vor kurzem noch unvorstellbar gewesen waren, rückten in greifbare Nähe. "Und es gibt nichts, das deine Meinung ändern könnte, Tara?" fragte Buffy noch einmal. Die dunkelblonde Hexe schüttelte den Kopf. "Nein, nichts. Viel zuviel hier erinnert mich an sie. Alles das ich in die Hände nehme, hat auch sie berührt und wenn ich in unserem Bett liege, dann vermisse ich sie so mehr, daß es weh tut. - Nein, ich muß gehen. Dieses Mal muß ich zuallererst an mich denken." Buffy nickte. Gespräche dieser Art hatten sie und Tara in den letzten Wochen ständig gehabt. Auch die anderen hatten versucht, sie von ihrem Entschluß abzubringen. Doch keiner hatte es geschaft. Nicht einmal Dawn. Ende dieser Woche würde Tara zusammen mit Giles nach England fliegen, um sich dort einem Hexencoven anzuschließen. Bis dahin waren es noch drei Tage. "Du weißt, daß du immer zu uns zurückkommen kannst, nicht wahr? - Und wenn du den ewigen Regen satt hast, dann komm einfach auf einen Kurztrip zu uns nach Kalifornien. Du wirst hier immer ein Zuhause haben." Tara lächelte Buffy an. "Na ja, noch bin ich nicht weg. Aber es ist ein schöner Gedanke, daß ich immer wieder zurückkommen kann." Tara trank ihren Kaffe aus und rutschte vom Hocker. Buffy und sie hatten sich in der Küche bei einem Nachmittagskaffee getroffen und waren dabei ins Reden gekommen. - Jetzt aber war es schon kurz nach fünf. "Ich muß gehen", sagte sie nur. Buffy nickte. Sie wußte, daß Tara wieder an Willows Grab ging. - So wie sie es seit ihrem Tod fast jeden Tag getan hatte. 2 Der Wolf war plötzlich in Spikes Gruft aufgetaucht. Wie ein Geist war er einfach durch die Tür hindurchgegangen. Und nun stand er da. Groß und mit wild leuchtenden Augen. Den Geruch der Freiheit verströmte er. Seine ganze stolze Haltung verriet Spike, daß er sich besser nicht mit dem Tier anlegen sollte. Es war der mächtigste Wolf, den der Vampir je gesehen hatte. Die starke Muskulatur zeichnete sich unter dem glänzendem Fell ab. Und in den Augen des Wolfes brannte eine Intelligenz, die jenseits allen tierischen Bewußtseins lag. "In Ordnung, Wolf", brummte Spike. "Bist du echt oder nur eine Einbildung meines whiskeyumnebelten Verstands?" Zweifelnd sah er auf die Flasche in seiner Hand. - Er betrank sich viel zu oft, seit dem Red Sunnydale aufgemischt hatte. Und die Erinnerung an die beiden göttlichen Dämonenjägerinnen am Himmel verfolgte ihn selbst noch in seine Träume. Nur der Whiskey half dann noch. "Also was willst du, hmm? - Hergekommen um ein Häufchen zu machen?" Spike schmunzelte, trotz der bedrohlichen Situation. Der Wolf schien ihn für den Moment einfach zu ignorieren. Er drehte schnuppernd eine Runde durch die Krypta und kam schließlich vor Spike zu stehen. Ruhig setzte er sich auf seine Hinterläufe, und vor Spikes ungläubig aufgerissenen Augen, begann er sich in einen Menschen zu verwandeln. Der Vampir starrte sprachlos den rothaarigen nackten Mann an, der ruhig seinem Blick begegnete. Daß er nackt war, schien ihn keinen Augenblick lang zu stören. Ein großes silbernes Amulett, das die volle Scheibe des Mondes zeigte, hing an einem ledernen Band knapp unterhalb seines Halses. Wie ein Hundehalsband", bemerkte Spike unbewußt. "Hey Spike", grüßte ihn Oz. "Erzähl mir von Willows Tod." Der Vampir klappte den Mund wieder zu. 3 Der tägliche Spaziergang zum jüdischen Friedhof dauerte etwa eine halbe Stunde. Tara lief die Strecke inzwischen ganz automatisch, ohne sich über den Weg Gedanken zu machen. Es war etwa eine Woche nach Willows Beerdigung gewesen, als sie mit ihren täglichen Besuchen an Willows Grab angefangen hatte. Es war für sie wie ein Drang gewesen, Willow auch weiterhin an ihrem Leben teilhaben zu lassen. - Ohne Willow mache so wenig in ihrem Leben Sinn. Ohne ihre Geliebte war Tara nur zu einem Schatten ihrer selbst verblaßt. Heute wollte Tara Willow von ihren Plänen erzählen. Davon, daß sie gehen mußte, weil ein Bleiben einfach zu schmerzhaft wäre. Weil ein Bleiben sie nur daran hinterte, ihr Leben weiterzuleben. Tara nahm die Abkürzung quer über den Hauptfriedhof und zehn Minuten später saß sie am Grab iher Geliebten. Willows Grabstein war eine abgebrochene Säule. Das Symbol eines viel zu früh geendeten, eines abgebrochenen Lebens. "Hey Baby", flüsterte Tara und legte ihre Hand auf die Grabplatte. "Du weißt es vermutlich schon. Aber trotzdem muß ich es dir sagen." 4 Spike drückte Oz die Klamotten, die er ihm herausgesucht hatte, in die Hände und sagte barsch: "Zieh das an. Ich habe keine Lust mit einem nackten Kerl in meiner Gruft erwischt zu werden. - Mein Ruf ist ohnehin schon versaut genug!" Oz nickte, und wie immer war da ein leichtes ironisches Lächeln in seinem Gesicht zu sehen. Dann aber wurde er ernst: "Das war die andere Sache, um die ich dich bitten wollte. - Aber nun erzähl mir, wie Willow gestorben ist." "Warum kommst du mit deinen Fragen zu mir? - Du bist doch auch einer von denen. Wieso gehst du nicht zu ihnen, heulst dich ein wenig aus und läßt dich von ihnen trösten? - Red ist tot! Sie hat alles verändert. Der Höllenschlund ist versiegelt, fast alle Dämonen weggezogen und die verdammte Jägerin arbeitslos. Alles ist Friede, Freude, Sonnenschein. - Sonst noch Fragen?" Spike war genervt auf und ab gegangen, hatte Oz dabei zugesehen, wie er in die für ihn zu langen Hosen geschlüpft war und die Hemdsärmel hochgerollt hatte. Doch mit seinem letzten Satz hatte er sich vor Oz aufgebaut und verschränkte provokativ die Arme. Er sah dem kleineren Mann abwartend an. Wieder lächelte Oz und ruhig begegnete er dem Blick des Vampirs. Dann schüttelte er den Kopf. "Vieles hat sich verändert, seit wir uns das letzte Mal trafen, Spike. Es ist meine Entscheidung, warum ich diese Informationen von dir will und nicht von den anderen. Wirst du mir meine Fragen im Guten beantworten, oder muß ich dich dazu zwingen?" Verächtlich schnaubte der Vampier: "Du ... und welche Armee?" Das Lächeln auf Oz' Gesicht veränderte sich. Es wurde bedrohlicher und in seinen Augen glimmte etwas auf, das Spike verwirrte. Es war etwas Nichtmenschliches, etwas, das es kaum erwarten konnte, freigelassen zu werden. Etwas, das sich mit Freuden auf ihn gestürzt hätte, um ihn bei lebendigen Leib zu zerreißen. - Für einen Moment lief ihm ein kalter Schauder über den Rücken und der Vampir fragte sich, was mit Oz geschehen war. "Nun gut", brummte er dann versöhnlicher. "Setzten wir uns. Das wird eine längere Geschichte - und schön ist sie nicht." Er griff nach dem Whiskey. "Auch?" Oz schüttelte den Kopf. "Hast du Wasser? - Ich vergifte meinen Körper nicht mit so was." Spike verdrehte die Augen. Aber nach kurzem Überlegen fiel ihm ein, daß er tatsächlich Wasser da hatte. - Es stammte noch aus der Zeit, in der ihn Buffy regelmäßig besucht hatte. "Ich vergifte meinen Körper auch nicht", murmelte er vor sich hin und zündete demonstrativ eine Zigarette an, "der ist schon lange tot." Dann stand er auf, holte das Wasser und begann Oz die Geschichte von Willows Amoklauf zu erzählen. Wie es mit dem tödlichen Schuß auf Tara begonnen hatte, von den indischen Göttinnen, von Warren, dem Höllenschlund, dem Einsturz der Schule und schließlich von Willows Tod. 5 Tara hatte einfach nur dagesessen und leise davon erzählt, warum sie sich dem Coven in England anschließen wollte, warum sie gehen mußte. Manchmal war sie dabei in Schweigen gefallen, hatte einfach nur ihren Gedanken nachgehangen. Erst als das Licht schwächer und die Schatten länger wurden, fiel ihr auf, daß es schon spät geworden war. Sie blickte auf. Der Vollmond begann sich - silbern und blaß - aus dem tiefblauen Himmel herauszuschälen. Die Wolken am Horizont wurden langsam blaßrosa und kündeten den herannahenden Abend an. Tara sah auf die Uhr und bemerkte verwundert, daß sie schon zwei Stunden hier saß. Das allabendliche Gezwitscher der Vögel erreichte ihr Ohr und sie erkannte, daß es Zeit wurde zu gehen. Zärtlich streichelte sie die Grabplatte. "Ich werde jeden Tag vorbeikommen, solange ich da bin. - Ich vermisse dich so sehr!" Tränen schossen ihr in die Augen. Sie wischte sie weg und zuckte erschreckt zusammen, als sich jemand neben sie setzte und einen Stein auf die Grabplatte legte. Unter kastanienroten zerzaustem Haaren blickten ihr dunkle Augen entgegen. "Oz!" keuchte Tara überrascht auf. Siedend heiß wurde sie sich des Vollmonds über ihnen bewußt. "Großer Gott, Oz! - Es ist Vollmond und du bist ein Werwolf! Was machst du hier? Willst du mich umbringen?" Halb schon stand sie, bereit wegzulaufen, als Oz nach ihrem Arm griff und sie zu sich herunterzog. "Hab keine Angst, Tara. Den Werwolf gibt es nicht mehr. Ich habe meinen Frieden gefunden und wünsche mir, auch mit dir meinen Frieden zu machen." Tara suchte verwirrt nach Oz' Blick, fing ihn auf und stellte beruhigt fest, daß darin nichts mörderisches lag. Ja, da war etwas Unbekanntes, etwas fremdes. Aber es war nichts, vor dem sie sich zu fürchten hatte, wie sie erkannte. Ihre aufgekommene Panik verklang. "Entschuldige, bitte", flüsterte Tara um ihre Reaktion auf seinen Anblick verlegen, "aber das letzte Mal, als wir uns trafen, wolltest du mich töten. - Oder vielmehr der Werwolf in dir ..." Oz hielt ihre Hand fest und streichelte beruhigend darüber. "Schon gut", murmelte er, betroffen von ihrer Reaktion. "Ich wollte dich nicht erschrecken." Dann sahen sie beide kurz auf die Säule. "Ich habe zwei Monate gebraucht, um hierher zu kommen", fuhr Oz leise fort. "Inzwischen lebe ich in Kanada, mußt du wissen, unter meinesgleichen." "Werwölfe?" unterbrach ihn Tara neugierig, um sich dann gleich auf die Zunge zu beißen. Oz sah auf und lächelte die Hexe an. Zögernd hob er die Hand und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. "Nun ja ... Wölfe und ... andere, die so sind wie ich. - Ich weiß nicht, wieviel dir Willow erzählt hat ..." "Du warst in Tibet", platzte es aus Tara heraus und ihr war schmerzhaft bewußt, wie unhöflich es war, ihn schon wieder zu unterbrechen. Aber sie tat es auch, weil sie selbst so nervös war. "Und dort hast du gelernt, den Werwolf in dir zu kontrollieren. Jedenfalls hatte mir das Willow erzählt - damals ...", fügte sie an. Oz nahm die Unterbrechung geduldig hin und sah sie einfach nur abwartend an. "Ups, entschuldige. Irgendwie machst du mich einfach nervös. Aber erzähle doch weiter - ich verspreche dir, den Mund zu halten." Tara lächelte entschuldigend. "Ja, ich war in Tibet", fuhr Oz fort. "Und als ich von dort fortging, dachte ich, ich hätte den Werwolf in mir unter Kontrolle. - Aber die Ereignisse mit dir und Willow haben dann doch eine ganz andere Sprache gesprochen." Er sah sie ernst an. "Ich bin froh, daß damals nicht Schlimmeres passiert ist. - Weißt du, als ich nach Sunnydale zurückkehrte, war ich so voller Hoffnung, daß Willow und ich wieder zusammenkommen würden. - Nur für sie hatte ich mich auf diese lange Reise gemacht, nur für sie all die Prüfungen bestanden und alle die Gefahren überwunden. Weil ich wollte, daß sie mich nicht mehr fürchten muß, weil ich hoffe, daß es eine Zukunft für sie und mich gab ... und dann ..." Oz schwieg für einen Moment. "Na ja, dann war nicht ein anderer Mann in ihr Leben getreten, sondern eine Frau. - Und ich weiß nicht, was mich damals mehr verletzt hat. Die Tatsache, daß sie eine neue Liebe gefunden hatte, oder die Tatsache, daß diese neue Liebe eine Frau war." Er verstummte kurz und schüttelte den Kopf. "Als ich ihren Geruch an dir feststellen konnte - den Duft, den sie verströmt, wenn sie intim wird, da konnte ich die Wut und Frustration nicht länger zurückhalten. Weißt du, irgendwo in mir klickte ein Schalter einfach so um und ich verlor die Kontrolle. Ich wurde zum Werwolf." Tara schluckte als sie sich daran erinnerte. An ihre Angst und auch daran wie sie voller Panik vor ihm davongerannt war. Wieder kamen Zweifel in ihr auf. Es war Vollmond. Neben ihr saß Willows Exgeliebter, der ein Werwolf war. Zumindest war er das noch beim letzten Mal gewesen und auch wenn er jetzt einen ruhigen Eindruck machte, so ganz traute Tara dem Frieden nicht. "Vielleicht sollte ich einfach gehen und dich Abschied nehmen lassen", sagte sie daher so unverfänglich wie möglich und fügte überflüssigerweise - wie zur Warnung - hinzu: "Die anderen werden mich auch schon erwarten." "Du fürchtest dich vor mir", stellte Oz traurig fest, "und ich kann es dir nicht verübeln." Er seufzte resigniert und sah auf die Grabplatte herunter. "Dann geh ... ich halte dich bestimmt nicht zurück. Es war vermutlich idiotisch von mir, zu hoffen, daß wir als so etwas ähnliches wie Freunde auseinandergehen könnten. Ich dachte, wir wären durch unsere gemeinsame Liebe zu Willow verbunden und auch durch die Tatsache, daß sie uns beide geliebt hat. Ich dachte, das wäre etwas, das für uns über ihren Tod hinaus von Bedeutung sein sollte. - Aber das ist vermutlich zuviel verlangt." Er hob den Blick. "Oder?" In seinen Augen blitzte wieder das Fremde auf. - Das Nichtmenschliche, das sie dennoch voller Zuneigung ansah. Das mit banger Hoffnung auf ihre Antwort wartete. Tara war bei Oz' Worten nachdenklich geworden. Auch sie empfand - jenseits all ihrer aufgeflammten Furcht - eine seltsame Art der Verbundenheit mit dem Mann neben sich. Vielleicht war es die Art von Verbundenheit, die entsteht, wenn zwei Menschen den gleichen Verlust erlitten haben und nur der andere ermessen kann, wie unbeschreiblich und unerträglich der Schmerz ist, den man fühlt, weil auch er das gleiche fühlt. Das Abendkonzert der Vögel drang wieder in ihr Bewußtsein. Vor lauter Anspannung hatte sie nur auf Oz geachtet und auf Anzeichen einer Transformation gewartet. Jetzt konnte sie das Rascheln des Laubs hören, in dem Amseln nach Insekten suchten, und bemerkte, daß der Mond über ihnen immer deutlicher aus dem Blau des Himmels hervor trat ... und das Oz einfach nur Oz blieb. Tara entspannte sich, blieb sitzen und fragte schließlich: "Woher weißt du von Willows Tod? Wir hatten damals versucht, herauszukriegen, wo du warst, doch all unsere Bemühungen verliefen im Sand. Keiner konnte auch nur irgendetwas über deinen Aufenthaltsort herausbekommen. Keiner hatte, seitdem du das letzte Mal in Sunnydale gewesen warst, Kontakt zu dir gehabt." Wieder breitete sich zähes Schweigen zwischen ihnen aus, das vom Gesang der Vögel aufgefüllt wurde. Langsam tropften die Sekunden dahin, bis Oz schließlich antwortete: "Es klingt vielleicht komisch, doch ich habe es geträumt. - Es muß jetzt zwei Monate her sein, als ich von Willow träumte. Sie erschien mir im Traum und sagte, daß sie mich immer noch liebte aber fortgehen müsse." Kurz berührten sich ihre Blicke. "Ich wachte auf und wußte, daß sie gestorben war." Tara nickte. Es verwunderte sie nicht, daß sich Willow von Oz noch verabschiedet hatte. Er war ihre erste große Liebe gewesen - sah man mal von ihrer Schwärmerei für Xander ab. Oz dagegen hatte immer schon einen besonderen Platz in Willows Herzen eingenommen. Tara hatte dies gewußt, war aber deswegen nie eifersüchtig gewesen. Schließlich hatte sich Willow für sie entschieden, als er zurückgekommen war. Nun da Willow tot war und sie mit Oz hier in Erinnerung an ihre Liebe gemeinsam vor ihrem Grab saßen, fühlte Tara tatsächlich wie ein Band zwischen ihnen entstand. "Möchtest du noch auf einen Spaziergang mit mir in den Park gehen?" fragte sie ihn. "Ich sitze hier schon eine Weile und hab inzwischen ganz steife Beine. Wir müssen auch nichts befürchten. Es ist sicher geworden, am Abend durch Sunnydale zu spazieren." "Als ob uns das jemals davon abgehalten hätte ...", lachte Oz und half ihr hoch. "Laß uns gehen!" Ihr Weg zum Park führte sie am Friedhofscafé vorbei, das um diese Uhrzeit schon geschlossen hatte. - Die Zeiten des 24 Stundenservices waren vorbei und nur noch am Wochenende hatte es bis zwei Uhr nachts geöffnet. Oz war überrascht, wieviel Leute noch unterwegs waren. Eine seltsame Sorglosigkeit lag über der Stadt. Die Menschen flanierten an den Geschäften vorbei als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Es waren die selben Geschäfte, die noch vor zwei Monaten kurz vor Sonnenuntergang geschlossen und deren Angestellte fast schon in Panik versucht hatten, noch vor dem Einbruch der Nacht zu Hause zu sein. "Was weißt du von Willows Tod?" fragte Tara zögernd, als sie den Friedhof verließen und die Straße entlanggingen. Zögernd deshalb, weil sie sich nicht sicher war, ob es klug war, ihn auf ihre eigene Rolle bei dem Unglück hinzuweisen. Schließlich war Willow gestorben, um sie zu retten. "Alles", antwortete Oz. "Und ich weiß auch von ihrer Sucht nach Magie, wie sie sich selbst und andere damit gefährdet hat." Auf Taras verwunderten Blick hin sagte er: "Ich habe den ganzen Tag bei einen gewissen blonden Vampir verbracht und mir alles von ihm berichten lassen. - Die Sache mit Buffy allerdings ..." "Oh, dann scheinst du ja tatsächlich alles zu wissen", murmelte Tara verwirrt und blieb dann stehen. "Aber wieso hat er dir von Buffy und sich erzählt?" "Weil ich ihn danach gefragt habe. Überall in der Gruft konnte ich ihren Geruch feststellen - und zwar die Art von Geruch, die entsteht, na ja, wenn ...", ein kurzer schneller Blick in Taras Gesicht. "Du weißt schon", murmelte er verlegen. "Oh! ... und du kannst so etwas sogar noch Monate später riechen?" fragte ihn Tara in einer Mischung aus Verwunderung und Zweifel. "O... oder war der Geruch frisch?" stotterte sie dann schockiert, nur um hastig zu sagen: "Oh nein, vergiß es! Ich will es erst gar nicht wissen!" Oz mußte über ihre Reaktion schmunzeln. "Nein, nicht frisch. Der Geruch war monatealt", bestätigte er deshalb nur kurz. Tara räusperte sich verlegen. Die Sache mit Spike und Buffy war eine der Geschichten, die zwischen den Scoobies ganz einfach totgeschwiegen wurde. Keiner verstand es, und jedem war es peinlich - außer Spike natürlich. Und wie um von dem Thema abzulenken fragte Tara: "Willst du mir erzählen, was passiert ist, Oz? Du scheinst überhaupt keine Probleme damit zu haben, dein Werwolfselbst in Schach zu halten. - Und wie ist es da oben in Kanada, wo du lebst?" Sie bogen in den Park ein. Der Himmel über ihnen hatte sich inzwischen in ein flammenrotes Meer verwandelt. Violett leutenden Wolkeninseln schwammen darin. Der weiße Kies auf den Wegen färbte sich rosa und die Bäume und Wiesen des Parks erstrahlten im Licht des Sonnenuntergangs. Überall um sie herum zwitscherten Vögel, Pärchen kamen ihnen eng umschlungen entgegen. Oz hatte ihr bisher nicht geantwortet. Stattdessen war er stehengeblieben, sah sich um und atmete tief durch. Die Hitze des Tages war verschwunden und eine weiche Brise trug vom nahen Wäldchen den Duft der Kiefern und Pinien zu ihnen. "Sie hat diesen Park geliebt", flüsterte Oz kaum hörbar. "Ja", stimmte Tara leise zu, und ihre Hand suchte die von Oz', fand sie und ihre Finger verschränkten sich ineinander. Ohne darüber nachzudenken schlugen sie automatisch den Weg in Richtung der alten Weide ein. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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